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Leipziger Buchmesse: „In den Literaturbetrieb einfädeln“ / Studierende des Kreativen Schreibens organisieren Literaturfestival Prosanova

Leipziger Buchmesse: „In den Literaturbetrieb einfädeln“ / Studierende des Kreativen Schreibens organisieren Literaturfestival Prosanova

Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur steuert jährlich auf zwei Höhepunkte zu: den Deutschen Buchpreis in Frankfurt und den Preis der Leipziger Buchmesse. Letzterer wird am Donnerstagabend, 13. März 2014, verliehen. Der Hildesheimer Absolvent Fabian Hischmann ist unter den fünf Nominierten – mit seinem Debütroman. Ob diese Nominierung eines Erstlingswerks doch noch zu früh ist, wird sich in dieser Woche zeigen. Und dennoch: Mit etwa 40 Prozent der Publikumsstimmen setzte der 31-Jährige sich beim Online-Voting von seinen Konkurrenten ab. Die Juryentscheidung, die am 13. März auf der Leipziger Buchmesse verkündet wird, beruft sich allerdings nicht auf das Ergebnis der Publikumsabstimmung. Fabian Hischmann ist mit seiner Erzählung „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ (Berlin Verlag) in der Kategorie „Belletristik“ nominiert. Darin erzählt er von einem Lehrer, dessen Leben plötzlich auf dem Kopf steht. Hischmann ist 1983 in Donaueschingen geboren, studierte an der Uni Hildesheim und in Leipzig und lebt in Berlin.

Wenn die Tore der Buchmesse öffnen, dann treten zahlreiche Hildesheimer Studierende des Kreativen Schreibens ein. „Unsere Studierenden üben sich in die Arbeitsweisen des Literaturbetriebs ein und sammeln außerhalb der Universität noch während des Studiums praktische Erfahrungen. Außerdem publizieren sie eigene Buchprojekte und die Zeitschrift ‚Bella triste‘“, sagt apl. Prof. Dr. Christian Schärf vom Institut für Literarisches Schreiben der Universität Hildesheim. „Sie fädeln sich in den Literaturbetrieb ein.“

Eine der Studentinnen, die auf der Leipziger Buchmesse dabei sein wird, ist Juli Zucker. Ihre Mission: Gemeinsam mit Studierenden des Kreativen Schreibens bietet sie eine Plattform für junge Gegenwartsliteratur. So erscheint drei Mal im Jahr die „Bella triste“ mit junger Prosa, Lyrik und dramatischen Texten, Graphic Novels, Essays und Interviews. Die Verleger sind allesamt noch Studenten – sie haben sich in den vergangenen fünfzehn Jahren bundesweit eine feste Leserschaft herangezogen, mittlerweile eine Auflage von 2000 Exemplaren und 800 Abonnenten. Auf der Leipziger Buchmesse stellen sie die neue Ausgabe, Nummer 38 vor: Darin erwarten den Leser Beiträge junger Autorinnen und Autoren – darunter auch Yevgeniy Breyger und Pascal Richmann, die beide in Hildesheim studiert haben. Außerdem enthält die Zeitschrift Interviews, etwa mit Dorothee Elmiger, die über ihren neuen Roman „Schlafgänger“ spricht, der im Frühjahr bei DuMont erscheint. Sabine Scho bespricht ein Gedicht von Katharina Schultens. „Auf der Buchmesse teilen wir uns einen Stand mit fünf anderen Literaturzeitschriften und präsentieren unser neues Heft gemeinsam mit der Literaturzeitschrift EDIT auf einer Releaseveranstaltung in Leipzig“, sagt die Studentin Juli Zucker.

Ein weiteres Treffen sollten sich Literaturinteressierte im Kalender rot anstreichen: Alle drei Jahre gibt es in Hildesheim szenische und traditionelle Lesungen, Diskussionen und Konzerte. Dann rückt die Literatur in den Mittelpunkt der niedersächsischen Stadt. Vom 29. Mai bis 1. Juni 2014 ist die junge Autorengeneration erneut zu Gast bei „Prosanova“, dem größten Festival für junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Zugesagt haben in diesem Jahr etwa Jo Lendle, Leif Randt, Martin Kordic, Kathrin Röggla und das Berliner Lyrikkollektiv G13. Das Online-Portal litradio.net berichtet vom literarischen Geschehen und bricht übliche Sendeformate auf. Das Team von Bella triste und rund 60 weitere Studentinnen und Studenten organisieren das literarische Zusammentreffen. Auch ein Bustransfer für Literaturinteressierte von Leipzig bzw. Berlin nach Hildesheim gehört dazu. „Unser Festivalzentrum ist in einer ehemaligen Hauptschule im Stadtzentrum gelegen. In den Lesungen – die wir individuell mit den Autoren entwickeln – wollen wir herausfinden, warum und wie Leute Literatur machen“, so Juli Zucker. Zum Festival erscheint eine Sonderausgabe der Bella triste, in der zehn junge Autorinnen und Autoren ihr persönliches Bekenntnis zur Literatur verfasst haben.

Neben Leipzig bildet nur die Universität Hildesheim an einem Universitätsinstitut Schriftsteller aus. So kann man im Pächterhaus auf dem Kulturcampus, einer mittelalterlichen Burganlage, „Kreatives Schreibens und Kulturjournalismus“ sowie „Literarisches Schreiben“ studieren. Hanns-Josef Ortheil, Schriftsteller und erster Professor für Kreatives Schreiben, hat dieses Studienprogramm aufgebaut. Absolventinnen und Absolventen sind bundesweit tätig, seit Jahresbeginn leitet etwa Jo Lendle den Hanser Verlag.

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