Hildesheim

Holocaustgedenktag: Erinnerung an NS-Opfer

Am 27. Januar, dem 74. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, wurde im Rathaus der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer ging in seiner Rede vor dem Hintergrund, dass es immer weniger Menschen gibt, die aus erster Hand von der damaligen Zeit berichten können, auch auf die Frage ein: „Was aber bedeutet Erinnerung, wenn sich nach 74 Jahren kaum noch jemand tatsächlich erinnern kann?“ Gerade jüngere Generationen hätten kaum noch einen Bezug zur NS-Geschichte. Schülerinnen und Schüler würden daher auch ganz direkt fragen: „Warum sollen wir der NS-Opfer gedenken?“. Wer die Folgen von Diffamierung, Ausgrenzung und Unrecht kenne, der wisse hoffentlich um den Wert von Demokratie und Freiheit, so Dr. Meyer. „Und genau deswegen müssen wir nach wie vor und immer wieder auf die Spuren dieses Unrechts aufmerksam machen. Damit zum einen die Geschehnisse dieser Zeit und ihre Opfer nicht vergessen werden und zum anderen, damit wir auch das heutige Handeln immer wieder aufs Neue reflektieren. Auf keinen Fall dürfen die Geschehnisse dieser Vergangenheit verschwiegen oder gar mit dem Verweis auf eine Verjährung relativiert werden.“

Besonders freute sich der Oberbürgermeister darüber, dass Schülerinnen und Schülern der Robert-Bosch-Gesamtschule (RBG) an der Gestaltung der Gedenkstunde mitwirkten. Unter Leitung ihres Geschichtslehrers Christian Abstein hatten sie einen Beitrag zum 1942 im Ghetto Theresienstadt ermordeten jüdischen Kaufmann Emil Hirsch und ein Gespräch „Warum sollen wir der NS-Opfer gedenken?“ vorbereitet. Markus Roloff (Historiker, VHS Hildesheim) und Klaus Schäfer (Hildesheimer Geschichtswerkstatt) gaben einen Rück- und Ausblick zum Projekt „Vernetztes Erinnern“. Dr. Hartmut Häger (Historiker) ging in seinem Vortrag „Erinnerungskultur im Übergang“ ebenfalls auf deren Bedeutung in Gegenwart und Zukunft ein. „Wenn wir in absehbarer Zeit nicht mehr moralische Zeugen befragen und ihnen zuhören können, müssen wir die hinterlassenen Zeugnisse und Spuren zum Reden bringen.“ Als Beispiele nannte er Zeitzeugenbücher, Briefe und zudem die zahlreichen Beispiele der Hildesheimer Erinnerungskultur, angefangen von Gedenktafeln und -stelen über die Stolpersteine, Denkmale wie das Mahnmal am Lappenberg oder den jüdischen Friedhof, Straßenbezeichnungen und Raumbenennungen nach besondere Menschen, die Beschäftigung mit den Biografien der Hildesheimer Ehrenbürger/in sowie die AG Beth Shalom der RBG und das Portal „Vernetztes Erinnern“.

Die musikalische Umrahmung des Gedenktages, der bundesweit seit 1996 offiziell begangen wird, übernahm das Violoncello-Ensemble der Musikschule Hildesheim unter der Leitung von Martin Fritz. Die Veranstaltung im Rathaus hat die Stabsstelle Kultur und Stiftungen der Stadt Hildesheim in enger Kooperation mit der Volkshochschule Hildesheim im Rahmen des Projekts „Vernetztes Erinnern“ vorbereitet.

 

Quelle: E-Mail, Stadt Hildesheim

Bildquelle: pexels.com, Kai Pilger

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